Omis Traum

Ist schon länger her, trotzdem eine nette Geschichte…

Eines Morgens klingelt das Telefon. Eine symphatische ältere Dame erklärt dass ihr Mann gestorben sei und sie dringend in den Tresor sehen muss. Ein Schlüssel wäre vorhanden aber sie bekommt das Schloss nicht auf. Also denke ich, keine klassische Tresoröffnung, eher eine Kleinigkeit wenn der Schlüssel da ist…

Es kommt immer anders als man denkt!

Als ich am selben Tag dort (ein eher ärmliches Häuschen) angekommen bin, zeigt mir die Kundin einen unspektakulären, älteren B-Tresor, und einen Schlüssel, der ca. 3x so groß ist wie das Schlüsselloch!

Als ich ihr sagte daß dieser Schlüssel eher zu einer mittelalterlichen Eisentruhe als zu diesem Tresor gehört, erinnert sie sich an eine Truhe auf dem Dachboden. Also mit der rüstigen Rentnerin unters Dach, ein paar Spinnwegen entfernt- siehe da: Eine alte Kriegskasse!

Der Schlüssel passte und im Inneren befand sich ein einsamer moderner Tresorschlüssel. Nur leider nicht passend zu dem gezeigten Tresor!

Also musste sich irgendwo noch ein weiterer befinden. Nach etwas Überlegung erinnerte sich die Frau an eine komische Gegebenheit. Ihr Mann war wohl häufiger im Hobbyraum im Keller und hat sich dort eingeschlossen. Auf dem Holzfußboden hatte sie schon bemerkt dass es Kratzer im Bereich eines Schränkchens gab, so als ob es immer weggerückt wurde…

Also ab in den Keller. Tatsache, unter dem Schränkchen ist im Boden einbetoniert ein kleiner Bodentresor! Schlüssel passt und es liegt abgesehen von ein paar wertlosen anderen Dingen auch ein Doppelbartschlüssel darin.

Also wieder zum eigentlichen Tresor im ersten Stock, der Schlüssel passt tatsächlich!

Die nette Kundin fragt ob ich den Tresor für sie ausräumen kann, sie hat Probleme sich zu bücken. Na klar, kein Problem… aber jetzt kommts:

Im Tresor findet sich neben Unterlagen ein Schuhkarton, gefüllt mit Bargeld! Unzählige Briefumschläge, beschriftet mit 22000.-, 27000.-, 18000.- usw.! Geschätzt locker über eine halbe Million, in einem lächerlichen B- Tresor!

Die gute Frau fällt nach dem Fund fast in Ohnmacht! Aber das beste war der Satz nachdem sie sich wieder etwas gefangen hatte: Mein Mann, dieser dumme Hund! Wir haben nichts zu essen auf dem Tisch, drehen im Winter die Heizung nicht auf und frieren weil wir angeblich kein Geld haben, und der hortet hier Unsummen!

Ich habe die nette Dame dann noch zur Bank gefahren um das Geld einzuzahlen. Man kann ja nicht eine Rentnerin mit so viel Bargeld und Krückstock alleine zur Bank laufen lassen. Der Kassierer in der Bank staunte auch nicht schlecht als sie den Schuhkarton auf den Tresen stellte. Da hatte er eine Weile zu zählen…

Würde mich doch interessieren wie es der Omi mittlerweile geht, vielleicht fahre ich nochmal vorbei wenn ich in der Nähe bin. Ich denke sie wird sich an mich erinnern, auch wenn das schon länger her ist 🙂

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