Fragen eines interessierten Tresorkunden

 

Hallo Hr. Bruckner,
eher zufällig bin ich auf Ihren interessanten Blog im Internet gestoßen. Da ich mir gerne einen Tresor für den Privatgebrauch anschaffen möchte, aber aufgrund der des großen Angebots und der teils sehr verwirrenden Beratung/ Infos auf den Seiten der Händler recht verwirrt bin, wende ich mich vertrauensvoll an Sie. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir bei meinen Fragen weiterhelfen können und mich an Ihrer Erfahrung teilhaben lassen.
Vielen Dank und beste Grüße
HW
PS: Eine Veröffentlichung im Blog ist für mich i.O., allerdings bitte ohne Nennung meines Namens.

Hallo Herr HW,

schön dass Ihnen der Blog gefällt. Klar kann ich Ihnen dei Fragen beantworten, wir haben ja täglich mit diesen Sachen zu tun…

Veröffentlichen werde ich das natürlich ohne Ihren Namen, wir wollen ja nicht direkt einen bösen Buben zu Ihnen lenken ;o)

Die Antworten finden Sie zwischen den Zeilen.

Hier meine Fragen:
1) Welcher Hersteller:
Das Herausfinden des Herstellers ist teilweise nicht so einfach, da viele Händler unter eigenem Namen verkaufen. Wo liegt beispielsweise der Unterschied (bei identischer Sicherheitsklasse) zwischen einem eher günstigen Tresor aus Polen und einem Schrank aus deutscher Fertigung. Welche Nachteile gibt es beim günstigeren Modell, ins. langfristig und im Hinblick auf die Sicherheit?

Immerhin haben Sie bemerkt dass viele Händler behaupten sie wären Hersteller. Viele lassen sich hier blenden. Viele Händler verkaufen In Wirklichkeit nur Modelle diverser meist ausländischer Hersteller unter eigenem Namen. Diese Methode gibt es selbst bei Herstellern, auch diese haben teilweise zugekaufte Fremdprodukte im Programm. Auch die Hersteller müssen im brutalen Preiskampf bestehen können. Die meisten guten sind sowieso die letzten 10 Jahre pleite gegangen. Ich könnte jetzt lange meckern dass es alles schlechter wird und in unserer „modernen“ Zeit alles billiger und zum Wegwerfartikel wird. Kunden nur noch das billigste kaufen… Bringt Ihnen aber nichts.

Konkret gesagt: Die Konstruktion, Materialien und Verarbeitungsqualität ist oft mies. Das führt öfter zu technischen Problemen. Ein einfaches Beispiel sind unterdimensionierte Türscharniere aus weichem Material. Nach kurzer Zeit (teilweise nur ein paar Jahre bei intensiver Nutzung) sind sie dann eingelaufen, die Türe klemmt und eine Reparatur ist unwirtschaftlich weil alles angeschweißt ist. Ich würde Ihnen empfehlen mit einem seriösen Händler Kontakt aufzunehmen. Es gibt so viele Modelle und Rahmenbedingungen dass ich hier schwer konkretes sagen kann. Am besten ist vermutlich ein persönliches Gespräch und evtl. ein Besuch im Laden und die Tresore direkt ansehen. Man sieht die Qualität durchaus… Achten Sie beispielsweise auf die Dimensionierung der Türscharniere, gute Markenartikel haben meist eine massive Konstruktion.

Wenn Sie mich nach einem konkreten Tresormodell fragen gebe ich gerne eine Einschätzung ab.

Die Sicherheit ist eine andere Sache. Sie ist meiner Meinung nach weniger Sache des Schlosstyps, die gesamte Robustheit des Schrankes ist eher der Faktor. Einbrecher arbeiten üblicherweise mit Gewalt. Je leichter und dünner so ein Behälter ist um so einfacher ist er mit Gewaltmethoden zu öffnen. Wegen Kosteneinsparung werden die meisten Kisten aber immer windiger. Das trifft natürlich auf kostengünstige Modelle verstärkt zu. Bei einem VDS 1 gibt es meist auch keine großartigen Tricks im Riegelwerksbereich (Notverriegelungen, Glasplatten etc.). Und selbst wenn, man kann ja auch durch Deckel und Seitenwand schneiden… Das Prüflabel ist auch nicht immer ein guter Hinweis. Bei der Prüfung gibt es größere Unterschiede. Vermutlich bedingt durch die eher weichen Formulierungen in den Regularien schaffen es immer wieder minderwertige Produkte ein gutes Label zu bekommen. Ist viel Ermessensspielraum des Institutes und des Prüfers offensichtlich.
Wenn Sie nur Werte wie Bargeld, Gold etc. schützen wollen brauchen Sie sich hier keine Sorgen machen. Die Versicherung wird es ersetzen. Wenn aber das unwiederbringliche Erbstück weg ist, was Ihnen viel bedeutet, sollte man das bedenken, exotische Prüfplaketten vermeiden (auch wenns EU ist) und lieber ein paar Sicherheitsstufen höher einsteigen.

2) Schlossvariante:
Ich habe sehr aufmerksam Ihren Blog zum Thema elektronische Schlösser gelesen. Darin sprechen Sie von der generellen Anfälligkeit der verbauten Bauteile. Gibt es Hersteller, bei denen diese Probleme häufiger auftreten? Ist es aus Ihrer Sicht ratsam stattdessen ein mechanisches Zahlenschloss zu nehmen? Wie ist dessen Handhabbarkeit im Alltag für Laien? Gibt es mit solchen Schlössern generell weniger Schwierigkeiten als mit elektronischen Schlössern?

Wie jede Elektronik wird auch ein Schloss irgendwann defekt sein. Einen Radio werfen Sie dann nach einem Defekt vermutlich einfach weg und kaufen einen neuen. Der Tresor ist aber vermutlich zu und Ihre Sachen darin. Das ist der Zeitpunkt an dem wir ins Spiel kommen und eine Öffnung nötig wird.
Ja, es gibt Schlosstypen die anfälliger sind als andere. Das ändert sich aber auch öfter. Hersteller ändern alle Nase lang irgendetwas, eine Charge mit schlechten Bauteilen kann geliefert worden sein, der Platinenhersteller ist gewechselt worden usw… das passiert öfter als man denkt. Die Herstellung wird ständig kostenoptimiert. Teilweise wechselt so etwas im Quartalsrhytmus bei manchen Herstellern. Ein Schloss, das ich jetzt empfehle kann bis Sie es kaufen in 3 Monaten schon ein Problem haben. Auch bemerken wir Probleme nur mit einer Zeitverzögerung wenn sich die Störfälle häufen.
Aktuell verbauen wir gerne Schlösser der Marke M-Locks. Damit gab es aktuell über längere Zeit relativ wenig Ärger. In Verbindung mit einer hochwertigen Tastatur funktionieren die gut (Typ T6530). Und der Hersteller ist sehr symphatisch, auch im Schadensfall ist die Garantieabwicklung und Ersatzteillieferung unproblematisch und schnell. Ganz im Gegensatz zu manch anderen Herstellern.
Ein mechanisches Zahlenschloss ist etwas unbequem zu bedienen, insbesondere wenn man es nicht oft öffnet. Aber etwas zuverlässiger. Wenn man hier nicht das billigste nimmt funktioniert es vermutlich lange ohne Ärger. Ich würde empfehlen das einmal auszuprobieren, z.B. in einem Tresorladen. Dann werden Sie schnell merken was ich meine.
Eine Variante wäre ein Elektronikschloss mit mechanischer Nötöffnung. Allerdings haben Kunden häufig nach langer Zeit die Notschlüssel/ Codes nicht mehr. Diese müssen natürlich dann auch sicher verwahrt (und wieder gefunden) werden. Oder ein redundantes Schloss, in dem jedes Bauteil 2x vorhanden ist. Aber das kostet ab 800.- leider.
Ich empfehle ein preisgünstiges Elektronikschloss, das aktuell wenig Probleme macht. Vorsichtshalber alle 10 Jahre tauschen, so lange der Schrank auf geht kostet das nicht viel und eine Wartung nach 10 Jahren ist ohnehin gut. Ein Auto bringt man ja auch zur Inspektion… Damit ist das Risiko gering dass Ärger entsteht.

3) Sicherheitsklasse und Größe
Welche Sicherheitsklasse und Größe würden Sie für den privaten Gebrauch empfehlen? Prinzipiell ist Klasse 1 bzgl. der max. Versicherungssummen aus meiner Sicht i.O., aber ich möchte den Tresor für viele Jahre nutzen und allein durch Inflation steigen ja schon die Werte, auch wenn keine neuen Gegenstände in den Tresor kommen.

Einen Teil der Frage habe ich bereits oben beantwortet. Meiner Meinung nach werden Schränke üblicherweise ab Klasse 3 schwer zu öffnen. Was darunter liegt ist meist mit Gewaltmethoden relativ schnell zu überwinden. Man muss aber auch andere Faktoren berücksichtigen, beispielsweise den Standort. Ist der Ort abgelegen und oft lange niemand vor Ort kann ein Straftäter da in Ruhe länger arbeiten. Würde ein Einbrecher auf Grund der Gegebenheiten dort einen Tresor vermuten? Oder kann er es sogar wissen/ sehen? Teures Haus oder Mietwohnung, Ladengeschäft, Resaurant… Ein Gelegenheitseinbrecher mit einem großen Schraubenzieher um eine Haustüre aufzuhebeln bekommt auch einen leichteren Schrank relativ sicher nicht auf. Falls er aber schweres Werkzeug dabei hat und vorbereitet ist sieht es vermutlich anders aus. Denken Sie darüber nach und entscheiden Sie dann für Ihren Fall.

4) Transport über Holztreppe
Dies scheint mir die schwierigste Frage zu sein; kein Händler wollte mir dazu bisher eine konkrete Antwort geben. Meine Herausforderung ist, dass der Schrank über eine aufgesattelte Holztreppe (Eiche/ Buche) in den Keller transportiert werden muss. Die Treppe ist ca. 5 Jahre alt, ich habe aber keine Angaben über deren max. Belastungsgrenze. Ich würde nun gerne einen Schrank mit mind. 200 KG nehmen, da auch meine Versicherung dies verlangt und dieser ebene schwerer wegzutragen ist, als ein ähnlicher Schrank mit 100 KG. Haben Sie Erfahrungen aus dem Treppentransport, die mir evtl. weiterhelfen können?

Von Händlern, die keine konkreten Antworten geben wollen oder können würde ich abraten. Am Beratungsgespräch merkt man normal wie viel Ahnung und Erfahrung jemand hat… oder nur schnelles Geld machen will mit einer Garage als Lager und Handel über Internetplattformen. Ich behaupte jetzt einfach eine normale Treppe muss 2-300kg allemal aushalten. Stellen Sie sich vor 2 oder 3 Menschen stehen darauf. Ist das selbe Gewicht und dann darf sie auch nicht durchbrechen. Aber ein erfahrener Tresortransporteur kann das einschätzen was machbar ist. Meistens wollen die seriösen Leute Fotos von den Gegebenheiten und evtl. ein paar Maße. Geht ja auch darum ob der Tresor z.B. von den Abmaßen um eine Ecke geht.
Und einen „nur“ 200 kg Schrank würde ich auf jeden Fall gut mit Dübeln verankern! Glaubt man nicht was Straftäter alles wegschleppen… Die Versicherung verlangt das ohnehin.
Am besten überlassen Sie Transport und Verankerung einer Firma, lassen sich auch bestätigen dass der Schrank fachgerecht verankert wurde. Dann gibt es keine Diskussion im Schadensfall und so teuer ist das nicht.

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