Röntgen von Schlössern, Schutz mit Bleiplatten etc.

Eine kuriose Sache, für die ich nun weitere Hinweise gefunden habe, möchte ich den Lesern hier nicht vorenthalten. Zum Glück ist das alles lange her.

Techniker haben vermutlich schon einmal bei Schlössern gesehen dass diese manchmal einen Schutz gegen Röntgenangriffe haben. Das trifft speziell für hochwertigere, ältere mechanische Zahlenkombinationschlösser zu. Oft amerikanischer Bauart. Die Scheiben sind aus „Delrin“ (Kunststoff), laut Beschreibung damit man sie auf Röntgenbildern nicht sehen kann. Auch ist bei Behördentresoren oft eine dicke Bleiplatte vor dem Schloss montiert.

Wir haben uns immer gewundert dass man eine solche Art von Schutz vorsieht. Bei einem Behälter (so unsere Vermutung), der aus Stahl besteht, bräuchte man sehr starke Röntgengeräte um überhaupt etwas zu sehen. Ob diese dann noch einfach transportabel sind? Ok, wir sind keine Experten für Röntgentechnik…

Mehr als ein dubioses Foto eines transportablen Röntgengerätes, angeblich aus Geheimdienstkreisen, habe ich zu diesem Thema „Tresoröffnung“ auch nie gesehen.

Jetzt ist lustigerweise in einem Buch das ich gelesen habe eine kleine Passage aufgetaucht, die genau diese Vorgehensweise beschreibt! Das englische Buch heisst „Spycraft“, von Robert Wallace. Scheinbar ist der Autor auch gut informiert, manche Vorgehensweisen beschreibt er sehr detailliert. Immerhin hat das Buch fast 600 Seiten. Zu diesem Randthema allerdings nur ein paar Sätze.

Er beschreibt in der Passage die Situation amerikanischer Botschaften/ Konsulate im Russland der 60er und 70er Jahre. Grob gesagt soll damals der KGB überall präsent gewesen sein. Was ja sicherlich auch seine Aufgabe war im kalten Krieg.

Zur Röntgenthematik (von mir frei übersetzt): Der KGB erweiterte seine Möglichkeiten Safes zu öffnen in den Konsulaten. Geheime Einbruchsteams [des KGB] benutzten transportable Röntgengeräte und plazierten diese an Tresorschlössern um die Stellung zu finden wo der Finger in die Scheiben fallen kann. Dieses clevere Gerät kam aber mit einem Designfehler. Die Abstrahlung von hoch konzentrierter Röntgenstrahlung vergiftete langsam die Benutzer. Die KGB Mitarbeiter dieser Teams bekamen sogar den Spitznamen „bezzubyye“, was übersetzt so viel heisst wie „die Typen ohne Zähne“.

Später macht er noch die Aussage dass der KGB wohl ständig in den Tresoren ein und aus ging. Was auf häufige Nutzung dieser Technik hindeutet. Die Kombinationen wurden vermutlich ständig geändert. Auch sollen derartige Einbrüche wohl mit Geigerzählern nachgewiesen worden sein.

Unglaublich wie verantwortungslos man damals noch mit solchen Dingen umgegangen ist. Heute wohl unvorstellbar. Aber diverse andere, noch viel schlimmere Dinge aus dieser Zeit sind ja auch bekannt… also halte ich das durchaus für plausibel.

Na ja, jedenfalls keine gute Methode ;o)

Mich würde interessieren was ein Experte für Röntgentechnik einschätzt, gäbe es heutzutage einigermaßen sichere Gerätschaften für derartige Einsätze? Transportabel? Die Technik machte ja Fortschritte die letzten 50 Jahre… Heutzutage werden ja z.B. Schweissnähte oder Rohre ähnlich getestet. Und das ohne Gefahr für den Nutzer.

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3 Kommentare zu Röntgen von Schlössern, Schutz mit Bleiplatten etc.

  1. Hmm… das bin ich doch recht skeptisch was einige Angaben anbelangt.
    Ja, man kann natürlich auch sehr dicke Stahlbauteile durchleuchten. Das erfordert entsprechende Durchdringungstiefe, die in Abhängigkeit von der Stärke des Anodenstroms, der Beschleunigungsspannung in MeV ist und natürlich auch von der Durchleuchtungszeit (=Belichtungszeit des Röntgenfilms) bei der Verwendung von Röntgenröhren. Alternativ können auch bei Durchstrahlungsprüfung Isotopenquellen verwendet warden. Das ist ähnlich dem Verfahren bei der Tumorbestrahlung…

    Üblicherweise werden in der Technik z.B.Schweißnähte von Frischdampfleitungen in Dampfkraftwerken vollständig durchstrahlt im Rahmen der Schweißnahtkontrolle. Die dazu verwendeten Anlagen sind entsprechend gebaut. Transportabel bedeutet aber nicht einfach tragbar. das ist selbstverständlich NICHT ohne Gefahr für den Nutzer. Strahlenschutz ist unbedingt erforderlich. Also Abschirmung, Abstände, keine Personen im Bereich (deswegen wird auch nur dann gestrahlt, wenn niemand ausser den Röntgentechnikern da ist – also nie auf der Baustelle während des Betriebes)

    Das im Bild zu sehende Gerätesystem gehört aber dieser Leistungsklasse definitiv NICHT mal ansatzweise an. Wir bewegen uns eher im Bereich von mobilen Röntgenanlagen der Tiermedizin. da muss nur ein bischen Gewebe und dann ein Knochen durchstrahlt warden. das sind signifikant geringere Anforderungen. Ich kenne auch kleine, leichte mobile Röntgenanlagen im Kofferformat die im Securitybereich eingesetzt werden, um Abhörgeräte in diversen Ausrüstungsgegenständen aufzuspüren. Das sieht dann dem Foto ähnlich.

    Damit wird man aber unmöglich eine echte Tresortüre durchleuchten können. Das geht bei dünnen Blechschränkchen – dem berühmten „Kuchenblech“. Zudem muss ja der Röntgenfilm – oder der digitale Sensor hinter dem zu durchstrahlenden Objekt im Strahlengang liegen. Also ist für die Durchleuchtung die Tresortüre und die hintere Tresorwand zu durchstrahlen. Also signifikant mehr als „nur“ die Türe….

    Und wir sollten uns von märchenhaften Vorstellungen verabschieden, dass mit Geigerzählern (!) eine solche Tresordurchleuchtung nachträglich festgestellt worden sein. Das ist UNMÖGLICH !!!!! Strahlung ist entweder Teilchenstrahlung (Alpha, Beta, Neutronen) oder eine elektromagnetische Welle (Gamma).

    Strahlungsquelle weg (oder Röntgenröhre ausgeschaltet) und dann ist da auch keine Strahlung mehr, die gemessen werden kann – denn da ist nichts mehr was strahlen kann. Ein Geiger-Zähler (wie auch andere Detektoren) können nur die Strahlung anzeigen, die auch just in diesem Moment existiert. da gibt es in der Bevölkerung sehr merkwürdige Vorstellungen und Ängste, die aber nichts mit der Physik zu tun haben.

    Da beim Röngtenvorgang hier aber keine Veränderung der Atomkerne des Materials der Tresorwand und Schlosskomponenten auftreten können aus dem nicht strahlenden Baumaterial auch keine strahlenden Isotope entstanden sein, die mit einem Geiger-Müller-Zähler nachweisbar wären.

    • Hallo Volker,
      danke für die fachliche und ausführliche Antwort. Ich bin da auch sehr skeptisch, kanns irgendwie nicht so recht glauben. Fakt ist, der Schutz gegen Röntgenangriffe wurde von den Schlossherstellern beworben und ich hab entsprechende Schlösser gesehen. Das kann vom Werbegag der Hersteller bis zur Wahrheit alles bedeuten. Und diese Geschichte ist in dem erwähnten Buch aufgetaucht. Wenn man alles liest, wird dort ausgesagt dass in den Räumen Messgeräte aufgestellt wurden um das nachzuweisen, also nicht hinterher gemessen wurde. Und der Zufalls-„Fund“ von Strahlung hat sich herausgestellt dass Papier mit Cobalt 60 präpariert wurde und der Typ das zu dem Zeitpunkt in der Tasche hatte. Zurück im Safe konnte man das angeblich durch die Wand noch messen. Zu welchem Zweck auch immer. Ich hab nicht alles vollständig wiedergegeben in dem Beitrag, das Kapitel ist länger in dem Buch, sorry.
      Jedenfalls ist die ganze Geschichte komisch, exakte Angaben wird man vermutlich nicht bekommen. Das alles basiert auf Erzählungen von damaligen Mitarbeitern schätze ich. Und da kann der „stille Post“ Effekt und das Erinnerungsvermögen, auch absichtliche Falschinformation in der „Branche“, natürlich eine große Rolle spielen.
      Das Gerät auf dem Bild kann durchaus auch einen anderen Zweck gehabt haben, ich habe auch vermutet dass es für diesen Zweck eher unterdimensioniert ist. Auch wenn die Dienste oft schon früher, bessere Technik haben als der zivile Markt. Aber vielleicht haben die damit auch Wanzen gesucht, ist denkbar. Ist das einzige Bild, das mir in dem Zusammenhang untergekommen ist. Deswegen hab ich es hier reingestellt.
      Aber genau diese Diskussion und evtl. mehr Info zu dem Thema war ja der Sinn des Ganzen ;o)
      Grüße,
      Stefan

  2. Vergessen: „Tresore“ für Behördenzwecke haben oft NICHT sehr dicke Türen/ Blechstärken. Sie sind meist sehr gut geschützt gegen manipulative, sprich nicht sichtbare und leise Öffnungsmethoden, wenn vertrauliches/ geheimes Material gelagert wird. Gegen Gewaltangriffe muss man sich in dem Bereich weniger schützen, da diese Gebäude wo die stehen üblicherweise 24/7 bewacht und zusätzlich alarmgesichert sind. Da kann keiner längere Zeit Lärm veranstalten ohne aufzufallen.

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