Gasfüllung in Tresoren, Mythos oder Realität?

Man hört ja immer wieder Schauermärchen von Gas, das ausströmt wenn man Tresore öffnen will. Das haben auch schon „Techniker“ Kunden erzählt um hohe Öffnungspreise und Inkompetenz zu rechtfertigen…
Die Rede ist von gesundheitsschädlichen Gasen, Tränengas, Kampfgas, Rauchentwicklung etc.

Fakt ist: Bei modernen Schränken gibt es so etwas NICHT.
Eine Zeitlang hat ein deutscher Tresorhersteller eine Füllung benutzt (auf Kunststoffbasis) und damit etwas missverständlich geworben. Diese fängt an zu rauchen und zu stinken wenn sie heiss wird beim bohren oder schneiden und läuft dann fast flüssig aus der Öffnung. Ist vermutlich nicht gerade gesundheitsfördernd aber nicht wirklich schlimm.

Bei antiken Tresoren und Tresorraumtüren gibt es Schwefelfüllungen in der Türe. Als Brennschneider populär wurden dachte man wohl das kann Einbrecher abhalten. Beim vorsichtigem Bohren rieselt aber nur gelbes Zeug aus dem Bohrloch. Stört nicht wirklich, ausser man benutzt einen Schneidbrenner, Sauerstofflanze, Winkelschleifer oder ähnliches. Das würde niemand machen, der sich auch nur ein wenig mit Tresoren auskennt.

Fakt ist aber auch: Bei älteren, insbesondere hochwertigen amerikanischen Tresoren gab es derartige Zusatzsicherungen! Bei Behörden und Banken war das durchaus verbreitet, wie auch die Zahl der Hersteller verrät.

Hersteller dieser „Zusatzsicherungen“ waren bespielsweise: Lake Erie Chemical, Badger, Beacon, Beaver, Protec, Didier, Thesco, Federal Tear Gas Pittsbourgh, O‘ Sullivan Shasta . Hier eine schöne alte Anzeige:

Gas für Tresore

Bekannt ist uns z.B. dass Lake Erie Chemicals über 50 US Patente hatte für alle möglichen Arten von Kampfgas, Tränengas, Rauchgas etc. und diese unter Anderem auch verwendet hat in Tresorsicherungen. Vor der Genfer Konvention wurden angeblich auch „richtige“ Kampfgase eingesetzt, danach nur noch „milde“ Mittel wie Tränengas. Also ist Vorsicht geboten bei amerikanischen Modellen, die vor oder während des WW2 gebaut wurden.

Bei uns ist es sehr selten dass man auf alte amerikanische Tresore stößt. Wir haben tausende Tresore gesehen und erst ein einziges Mal bin ich auf einen flachen Metallbehälter gestoßen der früher einmal Glasröhren mit Chemikalien enthielt, die bei Bruch Gas erzeugen (in einer aufgelassenen US Kaserne). Der Behälter war aber leer.

Fazit: Kann sein, aber in der Realität, zumindest in Deutschland, wird man kaum auf derartige Zusatzsicherungen treffen. Bei uns ist sowas ohnehin verboten, hier geht der Schutz des Einbrechers vor den Schutz der Werte die er mitnimmt… quasi kein Notwehrrecht für Sachwerte.

Falls aber jemand im Besitz eines alten amerikanischen Tresores ist, reinsehen schadet nicht… Sicher ist sicher…

Gas2

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5 Kommentare zu „Gasfüllung in Tresoren, Mythos oder Realität?“

  1. Was ist eigentlich drann an der Geschichte das diverse Tresorhersteller Aluminiumplatten in der Tresorwandung verbaut haben? Dieses soll wohl bei Kontakt mit einer Sauerstofflanze quasi verpuffen und denjenigen mit glühendem, flüssigen Aluminium beregnen.

    1. admin

      Hallo Denis, ja sowas gibt es, ist aber nicht sehr häufig. Am schlimmsten ist ein Verbund aus Aluminium mit eingebetteten Korundstücken. Das lässt sich auch extrem schlecht bohren. Aluminium spritzt wohl stark aus dem „Schnitt“, ich habe das noch nie getestet, kann ich mir aber gut vorstellen. Ein Beispiel wären alte Behördenschränke der Sicherheitsstufe SG3A, das A steht hier für Aluminiumkorund. Das sind übrigens sehr gute Schränke, extrem schwer zu öffnen und trotzdem auf Grund der Alufüllung „relativ“ leicht. Standen früher beispielsweise in allen Post Filialen und Behörden. Mittlerweile leider zum Großteil verschrottet worden…

  2. Da frag ich mich doch warum es sowas heute nicht mehr gibt. Zumal der Bedarf an leichten Tresoren wohl eher gestiegen als gesunken sein dürfte.

    Hatte das mit dem Aluminium mal in einer Doku (sogar noch gefunden: https://www.youtube.com/watch?v=oLzOHrR77Yo ) gesehen, da hat ein „professioneller Tresoröffner“ versucht mehrere Tresore mit ner Sauerstofflanze aufzumachen. Mehr muß ich dazu wohl nicht sagen. Außer das man am Schluss bedauerlicherweise feststellen musste das Geldscheine bei mehreren tausend Grad dazu neigen sich in schwarzes Pulver zu verwandeln. 😉 War am Ende wohl mehr ne Dauerwerbesendung für den Tresorhersteller.

  3. admin

    Vermutlich Kostengründe, und der Kunde sieht es sowieso nicht…

  4. John

    Ich möchte mein Tresor extra sichern, und mach handelsüblichen Buchsen Tränengas an der Innenseite der Tür.
    Ich wünsche derjenige, der dran versucht zu schleifen oder bohren, viel Glück.